
Roloff, A.:
Alte Bäume sind eigentlich ein Wunder und lassen niemanden kalt. Immer wenn ich vor einem wirklich alten, meist knorrig geformten, oft auch schwer verletzten Exemplar stehe, denke ich über das Viele nach, das der Baum erlebt, ja durchgemacht hat, was da gerade so los war, als er gekeimt hatte, was er wohl erzählen würde, wenn er nur könnte. Man spürt sofort das Ehrwürdige und möchte ihn ehren. Das vor uns liegende Buch von Andreas Roloff, Seniorprofessor für Baumbiologie an der TU Dresden, ist in Zusammenarbeit mit der DDG und im Rahmen einer Initiative mit Namen ‘Nationalerbe-Bäume’ entstanden und tut genau dies – es ehrt die Methusalems unter den Bäumen. Es stellt 50 alte und herausragende Bäume vor, die dieses Prädikat bisher erhalten haben, beschreibt aber auch den Standort und die Geschichte, soweit bekannt, wie das Alter bestimmt wurde, was das Besondere ist und auch, wie der Baum erreicht werden kann (Anreiseweg). Den 50 Porträts vorgestellt sind Kapitel zur Baumbiologie, zu Alterungsprozessen und zur Deutung sichtbarer Verletzungen, zum kulturhistorischen Wert alter Bäume und zum angemessenen Ersatz – sehr lesenswert! Leider werden viele alte Bäume unsachgemäss grob gekappt, schlichtweg verstümmelt. Ein Kapitel geht auch diesem Thema nach und dokumentiert es mit vielen schockierenden, ja grässlichen Baumbildern unprofessionellen Baumschnitts.
Hans-Peter Stutz